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| Der Tod wird euch finden: Al-Qaida und der Weg zum 11. September - von , ,
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...und wäret ihr im hohen Turm
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Es ist etwas schwierig, dieses Buch zum jetzigen Zeitpunkt zu rezensieren, ohne wie der besserwisserische "Monday-morning-quarterback" zu klingen. Ich will es trotzdem versuchen und fairerweise darauf hinweisen, dass der Autor die Dokumentation bereits vor zwei Jahren schrieb.
Was unterscheidet dieses Buch von den zahlreichen anderen, oft guten Darstellungen der Geschichte al-Qaidas, den Bin-Laden-Biographien und Fernsehdokumentationen? Wright gestattet sich gegenüber seinem Gegenstand eine fast ironische Distanz von der er sich eine gewisse Souveränität erhofft. So werden Bin Laden und seine Leute nicht als die islamistischen Superschurken geschildert, als die sie selbst gern erscheinen möchten, sondern in ihrer ganzen Verkorkstheit und irdischen Ratlosigkeit. Das Buch ist eine faktengestützte Widerlegung des von dieser Gruppe ausgerufenen Kampfs der Zivilisationen zwischen ihrer selbstherrlichen und eigenmächtigen Interpretation des Islams und dem Rest der Welt.
Wright gelingt es, dem Leser in einem verwirrenden Dickicht von Fakten, Thesen und Personen Orientierung zu bieten und den Sinn für das Labyrinth der Gegenwart zu schärfen. In diesem konkreten Fall schildert er über mehrere Jahrzehnte das düstere, bizarre Leben von fünf oder sechs lebensverachtenden Individuen. Dies gelingt ihm in fesselnder Weise, bis zu jenem New Yorker Vormittag des 11. September 2001.
Den bekannten Legenden, etwa bezüglich Bin Ladens Karriere im Kampf gegen die Sowjetunion in Afghanistan setzt er die Details von mehr oder weniger geglückten Improvisationen gegenüber. Wright schildert die Entwicklung Bin Ladens zum Grossinspirator des internationalen Terrors indem er ihn der Lächerlichkeit preisgibt, weil er von allen möglichen Varianten stets die schlechteste wählte, wie z.B. seine Geldmittel versiegen, weil er es nicht versteht, ein zuverlässiges Finanzierungssystem aufzubauen. Überhaupt haben die Islamisten (al-Qaida, Muslimische Brüderschaft, etc.) kein Konzept, weder politisch noch ökonomisch. Sie wollen einfach alles "westliche" zerstören und übernehmen. Wie es dann weitergehen soll, wissen sie nicht. Mit der Wiedergabe zahlreicher verbürgter Äußerungen des Scheichs von al-Qaida nährt der Autor auch Zweifel an der geistigen Gesundheit von Bin Laden, etwa als er der saudischen Regierung seinen Plan darlegt, mit Hilfe der Bulldozer der elterlichen Baufirma die irakische Armee aus Kuweit zu vertreiben.
Es ist durchaus möglich, dass George W. Bushs Geostrategen die Fähigkeiten Bin Ladens aus rein politischen Gründen bewusst überbewerteten, aber meines Erachtens begeht Wright den gegenteiligen Fehler: eine Übersimplifizierung von al-Qaida, die weder auf das Charisma Bin Ladens noch auf seine versiegten Geldströme angewiesen ist, da sie heute über eine bedeutend grössere Kapazität verfügt bereits zwei Jahre nach dem Beginn des Irak Kriegs eher einem internationalen Konglomerat mit einer Zellstruktur ähnelte, als einer straff zentral geführten Organisation.
Wright übersah, dass im Nordosten Afghanistans bereits 2005, unzählige Traininglager aus dem Boden schossen und minimalisiert die Gefahr der Allianzen, die al-Qaida 2006 im Maghreb einging (diese Fakten waren bereits vor Erscheinen des Buchs bekannt). Ein Beispiel sind die algerischen Salafisten, die schon Anfang 2007 in Kooperation mit al-Qaida Attacken auf amerikanische und britische Botschaften in Tunis durchführten und auch danach wieder zuschlugen was Dutzende von Todesopfern forderte. Die Implikationen einer international verdrahteten al-Qaeda sind bedeutend ernster zu nehmen als eine schillernde Fata Morgana.
Wright schildert nuancenreich auch die Gegenseite, also die amerikanischen Antiterrorkämpfer. Eine Hauptperson ist dort John O'Neill, der im FBI als einer der Ersten die Gefahr von al Qaida erkannte, dem aber die Mittel fehlten, sie angemessen und mit Hilfe der anderen Dienste, insbesondere der CIA, zu bekämpfen. Das Kapitel, wie O'Neill und eine kleine Armee von FBI-Agenten im Jemen einfällt, um dort die Ermittlungen nach dem Anschlag auf die "USS Cole" aufzunehmen, liest man fassungslos: Die meisten Agenten hatten noch nie ihre Heimat verlassen und wollten auch in der komplizierten jemenitischen Gesellschaft nach ihrer üblichen Methode ermitteln. Damit kamen sie nicht weit, schon allein weil nur sechs von ihnen Arabisch sprachen, außerdem waren sie mit ihren Dienstwaffen gegenüber dem normalen jemenitischen Mann, der mindestens eine AK 47 zu Hause hat, hoffnungslos unterbewaffnet.
John O'Neill war in Finanzdingen wohl ebenso untalentiert wie sein Gegenspieler. Er feierte gern und liebte das gute Leben mit Frauen und Glücksspiel, sein Jahresgehalt von 80 000 Dollar hielt da nicht lange durch und seine Schulden häuften sich. Wright ist der Meinung, O'Neill hätte die Anschläge vereiteln können, wenn seine Vorgesetzten nur auf ihn gehört hätten. Aber John O'Neill konnte es sich einfach nicht länger leisten, im öffentlichen Dienst zu arbeiten. Gerade als sich Attas Leute schon in den Vereinigten Staaten befanden, wechselte er in die Privatwirtschaft, ausgerechnet als Sicherheitschef des World Trade Center, wo er dann auch umkam.
Wright ist es trotz der ewähnten Schwächen gelungen, mehrere Lebensgeschichten zu erhellen und zu einer fesselnden Erzählung zu verweben. Zugleich schildert er die Hintergründe des Anschlags, die Zerrissenheit arabischer Staaten und die widersprüchliche Haltung des Westens. Insgesamt eine spannende Lektüre, die zumindest einen Einblick in Denken und Handeln der al-Qaida-Führer und ihrer wichtigsten Kontrahenten gibt.
Eine Rezension von León >
vom 26. Oktober 2009 | | |
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